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Herzlich willkommen

Im November 1993 kam das Schauspielerehepaar Viktoria Gräfenstein und David Winkenstern vom ehemaligen Deutschen Theater Alma-Ata (Kasachstan) nach Niederstetten. Die Stadt Niederstetten konnte den Künstlern Übungsmöglichkeiten im Amtshaus Oberstetten anbieten; im Mai '94 spielten sie zu der Eröffnung des neuen Kulturgebäudes der Stadt (KULT) Heines „Deutschland. Ein Wintermärchen".
 
Einige Kollegen aus Alma-Ata kamen in den folgenden Monaten ebenfalls nach Niederstetten: Eduard Ziske, Lilia Henze, Alexander Klassen, Maria und Peter Warkentin. Im November 1995 gewährte das Bundesministerium des Inneren dem Russland-Deutschen Theater Niederstetten eine Starthilfe zum Aufbau eines Gastspieltheaters mit Sitz in Niederstetten.

Neben Heines „Deutschland. Ein Wintermärchen“ entstanden: „Kikerikiste“, ein Kinderstück nach Paul Maar, „Emigranten“ nach Slawomir Mrozek, Tschechows Schwänke „Der Heiratsantrag“, „Der Bär“ und „Das Jubiläum“; 1996 die erste große Eigenproduktion: „Landsleute“ nach Erzählungen von Wassili Schukschin. Ende der 90er Jahre zogen die meisten Schauspieler des Theaters weiter; seither besteht das Ensemble aus Maria und Peter Warkentin.

Zur Vorgeschichte des Theaters

Das Deutsche Theater Alma-Ata, Kasachstan 1980 wurde in Kasachstan das einzige deutschsprachige Theater in der UdSSR gegründet. Für Millionen Deutsche war das Deutsche Theater Alma-Ata das einzige Kulturzentrum in der ganzen Sowjetunion. Das Theater wurde gegründet, um die aussterbende Kultur und die Sprache der Deutschen in der Sowjetunion wieder zu beleben und damit verbundene kulturelle Bedürfnisse zu befriedigen.

Auf dem Spielplan des Theaters standen Stücke russischer Autoren sowie Klassiker der Weltliteratur: Tschechow, Ostrowski, Gorki, Goldoni, Sartre, Schiller, Goethe, Kleist, Heine, Brecht, Borchert, Dürrenmatt. Das Theater war jeden Sommer auf Tournee durch Russland, Kasachstan, Usbekistan, Kirgistan und Lettland - jeweils in den Gebieten, die am dichtesten von Deutschen besiedelt waren.

Die Ausbildung der Schauspieler

Die russische Schauspielkunst beruht auf den Grundsätzen des Theaterreformators Konstantin Stanislawski. Viele der besten Theater der Welt wenden in ihrem Schaffen die Prinzipien des Systems Stanislawski an. Die Schauspieler haben eine Hochschulausbildung an der Stschepkin-Theaterhochschule bekommen, der ersten Theaterschule in Russland. Die Hochschule ist ein Bestandteil des Maly-Theaters - des ältesten Theaters in Moskau.

Die Absolventen der Theaterhochschule bilden das Ensemble des Maly-Theaters. Das Theater ist durch viele Gastspiele in der ganzen Welt bekannt. Von vielen Absolventen der Hochschule wurden komplette Theaterensembles gegründet, so auch das des Deutschen Theaters Alma-Ata.

Russlanddeutscher Kulturpreis 2016

Vorläufiger Hohepunkt des Russland-Deutschen Theaters ist die Verleihung des Russlanddeutschen Kulturpreises. Mit diesem Preis wird die jahrzehntelange Arbeit von Maria und Peter Warkentin und die erfolgreiche Integration gewürdigt.

Die Kist von der Wolga

Zum hundertsten Jahrestag der Gründung der deutschen Autonomie an der Wolga - ein literarisch-szenisches Programm.

Anlässlich des 100. Jahrestags der Gründung der deutschen Autonomie an der Wolga erzählt das Russland-Deutsche Theater unter dem Titel „Die Kist´ von der Wolga“ die Geschichte der Wolgadeutschen in Form eines literarisch-szenischen Schauspiels.

Die ersten Jahre waren für die wolgadeutschen Siedler sehr hart: immer wieder wurden die Siedler verschleppt und ihre Siedlungen beraubt und geplündert. Doch sie konnten sich in der Region durchsetzen. Im Gebiet der Wolga existierten 1918 mehr als 200 deutsche Siedlungen. Um die Nationalpolitik der jungen Sowjetunion umzusetzen, wurde im Oktober 1918 das autonome Gebiet der Wolgadeutschen eingerichtet. Die Jahre der Autonomie sollten sich als schwierig erweisen, da die Region in den Bürgerkrieg zwischen roten und weißen Gruppen geriet.

Mehrere Werke finden im neuen Programm des Russland-Deutschen Theaters Verwendung: Christian Gottlob Züge beschreibt seine Ausreise nach Russland als ein großes Abenteuer: witzig, amüsant, nachdenklich. B. L. von Platen schildert mit welch großen Erwartungen er als junger Offizier seine Reise in das Zarenreich antrat. Neben weiteren Geschichten und einem wolgadeutschem Versepos „Das Lied vom Küster Dies“, dienten Gerhard Sawatzkys Roman „Wir selbst“ und Auszüge aus Viktor Kleins Roman „Der letzte Grabhügel“ als Vorlage der ereignisreichen Jahre der Sowjetisierung der Wolgadeutschen.

Maria und Peter Warkentin haben zeitgenössische literarische Berichte verschiedener Schriftsteller ausgegraben, die den Geist der damaligen Zeit spiegeln und sich durch eine schöne, ausdrucksstarke Sprache auszeichnen. Nach „Der weite Weg zurück“ und „Mix-Markt einfach anders“ vermittelt das Russland-Deutsche Theater Niederstetten mit „Die Kist´ von der Wolga“ ein weiteres Mal die Geschichte der Russlanddeutschen in bewährter Manier.

© BILD: Inge Braune